Selten erlebt man die Diskrepanz zwischen arm und reich so unmittelbar wie in Cape Town.

Die Straßenränder sind gesäumt von Townships, in denen fast ausschließlich Menschen mit dunkler Haut leben. Bretterverschläge, dicht an dicht. Dazwischen spielen die Kinder auf der Straße. Allein im Holzhäuschen von meinem Bruder auf dem Land kann es jetzt nachts schon ganz schön frisch werden und wir haben gerade erst Herbst. Im Winter wird der eisige Wind und Regen erbarmungslos in die Hütten der Menschen ziehen. Viele von ihnen stehen an den Ampeln und bitten um Hilfe, Jobs, Geld oder verkaufen Kleinigkeiten. Andere betätigen sich als selbsternannte Parkwächter und verdienen sich so einen Hungerlohn um über die Runden zu kommen. Normalerweise steckt man ihnen so 20 Cent zu, für ihre Dienste.

Es fällt mir echt schwer, meinen luxuriösen Urlaub (wir haben ein Auto gemietet, besuchen Tierparks, wohnen in Ferienwohnungen) zu genießen. Am liebsten würde ich die Augen verschließen vor dieser bodenlosen Ungerechtigkeit, nicht hinsehen, mich mit den noch Reicheren vergleichen und mir selbst ein bisschen arm vorkommen, mit meiner halben Erzieherstelle.

Gerade leben wir in einer Ferienwohnung, die auf einem Grundstück ist, das von hohen Zäunen gesäumt und durch zwei große Hunde bewacht wird. Manchmal schlendert ein dunkelhäutiger Parkwächter vorbei und grüßt freundlich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie beschissen das sein muss  – Tag ein Tag aus diese Villen vor Augen zu haben!?

Am Hafen sitzt ein Bettler und schaut sich an wie die reichen Menschen mit ihren dicken Kameras ihre fein herausgeputzten Kinderlein fotografieren, während seine eigenen wahrscheinlich zuhause im Dreck spielen und froh sind, wenn sie abends was in den Magen bekommen. Ich kann absolut verstehen, dass das besonders die heranwachsenden Townshipbewohner bodenlos wütend macht und sie zu nicht immer ganz lauteren Mitteln greifen, um diese Diskrepanz ein wenig abzumildern.

Das ist der Grund, weshalb hier alle so eine latente Angst haben und immer auf der Hut sind, weil sie befürchten im nächsten Moment überfallen zu werden. Weil man sie dann mit der Wut, der Ungerechtigkeit konfrontieren und ihnen etwas von ihrem „Überfluss“ wegnehmen würde. Mir geht es genauso. Bloss nicht zu viel Geld mit rumtragen, nichts im Auto lassen, nicht allein an den Strand …

Ist unsere Welt wirklich so viel besser geworden, als noch vor ein paar Jahrzehnten, wo es offiziell Sklaven gab und das kaum jemand verwerflich fand? Bekommen wir es besser hin, den Reichtum, den die Erde uns schenkt (den Gott uns einfach so zuteil werden lässt), unter allen gerechter aufzuteilen? Sind für uns wirklich alle Menschen gleich an Würde und verdienen es, geachtet und geliebt zu werden? Was kann ich tun, um das voranzubringen?

 

 

 

 

 

Eine Antwort

  1. Ja, was nur?? Ich glaube die Botschaft von Gottes Gerechtigkeit, und dass Jesus für JEDEN gestorben ist, verbreiten. Das verändert die Menschen, denen das tief ins Herz fällt und sie versuchen, jeder einzelne ein bisschen gerechter, liebevoller, helfender, teilender miteinander umzugehen, das bringt schon was ( in gr. Menge!)

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